Was ist Perfektion?
Wie können wir Perfektion erreichen? Können wir überhaupt Perfektion erreichen? Versucht man den Begriff der Perfektion zu beschreiben, so scheint zuerst die Vorstellung von etwas Vollkommenen als auch von etwas Vollendetem aufzukommen. Weshalb denke ich die Begriffe der Vollendung und Vollkommenheit zusammen? Gibt es das Vollendete oder gibt es nur Vollendung von etwas? Mir Vollendetes oder auch Perfektes vorzustellen scheint schwierig zu sein, denn wie sehr ich mich auch darum bemühe, binde ich den Begriff Vollendung immer an etwas, an ein Objekt.
Die Tatsache, dass der Begriff Vollendung als Vollendung von etwas gedacht wird, verweist darauf, dass Perfektion nicht etwas Starres sein kann. Sie scheint ein Prozess, ein Versuch, ein Wunsch, etwas zu erreichen, zu sein. Etwas zu erreichen wiederum setzt ein Ziel voraus. Die Frage nach diesem Ziel war für mich die zentrale Fragestellung. Ist die Perfektion das Ziel oder ist sie der Prozess selbst? Wenn sowohl der Prozess als auch das Ziel Perfektion sein können, so könnte auch zugleich der Prozess das Ziel selbst sein. Und was geschieht, wenn das der Fall ist? Genau dieser Punkt, an dem Prozess und Ziel zusammenfallen und sich verschiedene Deutungsmöglichkeiten von Perfektion eröffnen, weckte bei mir die Neugierde darauf, durch Gespräche eine Antwort auf die Frage nach Perfektion zu finden.
Die Auswahl der drei Interviewpartner war interessant, da alle drei unterschiedliche Tätigkeitsbereiche haben und in diesem Sinne auch drei unterschiedliche Herangehensweisen an Probleme haben. Somit eröffnen sich auch drei unterschiedliche Perspektiven auf den Begriff der Perfektion.
Der Musiker, der sich auf das Hören konzentriert, um sein Ziel, die Musik zu erreichen. Die Tänzerin arbeitet mit dem Körper. Sie versucht etwas mit ihrem Körper zu erreichen, etwas darzustellen. Der Philosoph hingegen versucht durch begriffliche Analyse etwas zu erreichen.
Der Wunsch, etwas zu erreichen, ein Ziel für seine Tätigkeit zu haben, gleicht einem Streben. Dieses Streben impliziert die Annahme, dass dieses Streben das Streben nach etwas Besserem, etwas Perfekten ist. Hier stellt sich die Frage, ob nun Perfektion das Ziel ist.
Interessant war für mich der Aspekt, dass alle drei Interviewpartner das Bild des Kreises oder der Kugel in Bezug auf den Begriff der Perfektion in ihrem Alltag erwähnten. Mit diesem Bild bringe ich etwas Endloses, etwas sich Entwickelndes in Verbindung. Somit kann man nicht mehr von etwas Vollendetem sprechen, sondern von einer Vollendung, einer fortwährenden Tätigkeit, sei es durch hören in Musik, mit dem Körper im Tanz oder mit dem Denkvorgang selbst.
Uli bringt den Kreis als Bild für Perfektion unter anderem mit dem Notenschlüssel, der die Form eines Kreises hatte in Verbindung. Dieser Schlüssel wurde jedoch halbiert und heute ist er als Schlüssel C bekannt. Der Grund für diese Halbierung war, dass der Kreis als etwas Perfektes bzw. Göttliches gilt und der Mensch das Göttliche nie erreichen kann. Karin beschreibt im Zusammenhang mit der Kugel als Bild für Perfektion die Balance des Körpers. Die Sicherheit und die Ausgeglichenheit des Körpers zu sich selbst. Diese Balance bezieht sie auch auf die anderen Tänzer. Die Schaffung von einem perfekten Moment, der durch diese Tätigkeit, durch das Tanzen entsteht. Herr Graeser bringt mit dem Bild des Kreises sehr viel in Verbindung. Am stärksten ist für mich das Bild des Kreises als ein Bild von Denkbewegung, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen geblieben.
Betrachtet man diese drei unterschiedlichen Deutungen des Bildes für Perfektion als Bild eines Kreises, so verweist der Kreis auf Perfektion als etwas Prozessuales. Durch Fehler kann Perfektion etwas Prozessuales bleiben. Somit ist die Tatsche des Fehlers nicht als ein Scheitern zu deuten, sondern als Bedingung für die Perfektion. Der Fehler zwingt einen, erneut die Tätigkeit auszuüben.
Das Bild der Seiltänzerin, die ständig Gefahr läuft, einen falschen Schritt zu machen und zu fallen zeigt für mich wiederum, dass die Tätigkeit selbst etwas Perfektes ist. Es gibt in diesem Sinne kein starres Ziel, dass man erreichen kann, denn das Ziel ist es, die Tätigkeit: auf dem Seil zu gehen, auszuführen. Dies scheint mir eins der vielen wichtigen Ergebnisse dieses Projekts zu sein. Perfektion als Tätigkeit. Deshalb passt der Titel: Practicing Perfection.
Alexandra Portmann
Die Tatsache, dass der Begriff Vollendung als Vollendung von etwas gedacht wird, verweist darauf, dass Perfektion nicht etwas Starres sein kann. Sie scheint ein Prozess, ein Versuch, ein Wunsch, etwas zu erreichen, zu sein. Etwas zu erreichen wiederum setzt ein Ziel voraus. Die Frage nach diesem Ziel war für mich die zentrale Fragestellung. Ist die Perfektion das Ziel oder ist sie der Prozess selbst? Wenn sowohl der Prozess als auch das Ziel Perfektion sein können, so könnte auch zugleich der Prozess das Ziel selbst sein. Und was geschieht, wenn das der Fall ist? Genau dieser Punkt, an dem Prozess und Ziel zusammenfallen und sich verschiedene Deutungsmöglichkeiten von Perfektion eröffnen, weckte bei mir die Neugierde darauf, durch Gespräche eine Antwort auf die Frage nach Perfektion zu finden.
Die Auswahl der drei Interviewpartner war interessant, da alle drei unterschiedliche Tätigkeitsbereiche haben und in diesem Sinne auch drei unterschiedliche Herangehensweisen an Probleme haben. Somit eröffnen sich auch drei unterschiedliche Perspektiven auf den Begriff der Perfektion.
Der Musiker, der sich auf das Hören konzentriert, um sein Ziel, die Musik zu erreichen. Die Tänzerin arbeitet mit dem Körper. Sie versucht etwas mit ihrem Körper zu erreichen, etwas darzustellen. Der Philosoph hingegen versucht durch begriffliche Analyse etwas zu erreichen.
Der Wunsch, etwas zu erreichen, ein Ziel für seine Tätigkeit zu haben, gleicht einem Streben. Dieses Streben impliziert die Annahme, dass dieses Streben das Streben nach etwas Besserem, etwas Perfekten ist. Hier stellt sich die Frage, ob nun Perfektion das Ziel ist.
Interessant war für mich der Aspekt, dass alle drei Interviewpartner das Bild des Kreises oder der Kugel in Bezug auf den Begriff der Perfektion in ihrem Alltag erwähnten. Mit diesem Bild bringe ich etwas Endloses, etwas sich Entwickelndes in Verbindung. Somit kann man nicht mehr von etwas Vollendetem sprechen, sondern von einer Vollendung, einer fortwährenden Tätigkeit, sei es durch hören in Musik, mit dem Körper im Tanz oder mit dem Denkvorgang selbst.
Uli bringt den Kreis als Bild für Perfektion unter anderem mit dem Notenschlüssel, der die Form eines Kreises hatte in Verbindung. Dieser Schlüssel wurde jedoch halbiert und heute ist er als Schlüssel C bekannt. Der Grund für diese Halbierung war, dass der Kreis als etwas Perfektes bzw. Göttliches gilt und der Mensch das Göttliche nie erreichen kann. Karin beschreibt im Zusammenhang mit der Kugel als Bild für Perfektion die Balance des Körpers. Die Sicherheit und die Ausgeglichenheit des Körpers zu sich selbst. Diese Balance bezieht sie auch auf die anderen Tänzer. Die Schaffung von einem perfekten Moment, der durch diese Tätigkeit, durch das Tanzen entsteht. Herr Graeser bringt mit dem Bild des Kreises sehr viel in Verbindung. Am stärksten ist für mich das Bild des Kreises als ein Bild von Denkbewegung, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen geblieben.
Betrachtet man diese drei unterschiedlichen Deutungen des Bildes für Perfektion als Bild eines Kreises, so verweist der Kreis auf Perfektion als etwas Prozessuales. Durch Fehler kann Perfektion etwas Prozessuales bleiben. Somit ist die Tatsche des Fehlers nicht als ein Scheitern zu deuten, sondern als Bedingung für die Perfektion. Der Fehler zwingt einen, erneut die Tätigkeit auszuüben.
Das Bild der Seiltänzerin, die ständig Gefahr läuft, einen falschen Schritt zu machen und zu fallen zeigt für mich wiederum, dass die Tätigkeit selbst etwas Perfektes ist. Es gibt in diesem Sinne kein starres Ziel, dass man erreichen kann, denn das Ziel ist es, die Tätigkeit: auf dem Seil zu gehen, auszuführen. Dies scheint mir eins der vielen wichtigen Ergebnisse dieses Projekts zu sein. Perfektion als Tätigkeit. Deshalb passt der Titel: Practicing Perfection.
Alexandra Portmann
